Unabdingbare Kündigungen während der Covid19- Pandemie - was können Sie tun?

Aufgrund der momentanen wirtschaftlichen Krise ausgehend von der COVID19- Pandemie fallen leider auch Kündigungen an, die unabdingbar sind. In solchen Fällen ist es für die Betroffenen besonders wichtig, ein wohlwollendes Arbeitszeugnis zu erhalten.

Worauf ist zu achten?

Die Erteilung des Arbeitszeugnisses ist grundsätzlich eine Angelegenheit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Diesbezüglich haben Sie als Arbeitnehmervertretung kein Mitspracherecht. Die Rechtsgrundlage auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses stützt sich auf § 109 GewO (Gewerbeordnung). Ist jedoch der betroffene Kollege mit dem Arbeitszeugnis nicht zufrieden, so wird die Arbeitnehmervertretung erfahrungsgemäß als erste Anlaufstelle genutzt.

In Ihrer Rolle als ArbeitnehmervertreterIn dürfen Sie inhaltlich am Zeugnis nichts ändern, sehr wohl können Sie Ihren Kollegen im Streitfall aber beraten. Dafür sollten Sie in der Lage sein, das Arbeitszeugnis auf formale und inhaltliche Kriterien prüfen zu können.

Grundsätzlich hat der Arbeitnehmer die Wahl zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Arbeitszeugnis. Das sogenannte „einfache Arbeitszeugnis“ wird in der Praxis oftmals für Praktikanten oder Auszubildende verwendet, da es nur die nötigsten Daten enthält.

Im Folgenden sehen Sie die wichtigsten Merkmale des „qualifizierten Arbeitszeugnisses“:

Was ist wichtig für ein qualifiziertes Arbeitszeugnis?

  • Überschrift (Arbeitszeugnis/Zwischenzeugnis)
  • Einleitung
  • kurze Beschreibung des Unternehmens
  • Beschreibung der Tätigkeit
  • Beurteilung von Leistung und Sozialverhalten
  • Schlussformel mit Zukunftswünsche
  • Unterschrift, Datum und Firmenstempel
  • Ist die Form des Zeugnisses korrekt?
  • Sind die Angaben im Arbeitszeugnis wahrheitsgemäß und wohlwollend?
  • Ist das Zeugnis frei von subjektiven Wertungen?
  • Ist der Text sauber formatiert?
  • Ist die Tätigkeit umfangreich genug beschrieben?
  • Sind die Aufgaben der Bedeutung nach geordnet (das Wichtigste kommt zuerst)?
  • Sind Rechtschreibung und Grammatik korrekt?
  • Wurde das Zeugnis auf Geschäftspapier ausgestellt? (Ein Geschäftspapier muss die Unternehmensdaten, die Rechtsform und die Anschrift des Unternehmens enthalten.)
  • Stimmt das Datum der Ausstellung mit dem Datum des letzten Arbeitstages überein?

Was sollte in einem Arbeitszeugnis nicht enthalten sein?

  • Elternzeiten (Ausnahme: siehe BAG, Urteil vom 10.05.2005, 9 AZR 261/04)
  • Krankheiten und damit verbundene Fehlzeiten (bis auf begründete Ausnahmen)
  • Arbeitslosigkeit
  • Abmahnungen
  • Alkoholkonsum
  • Behinderungen/Erkrankung (Ausnahme: Wenn die Tätigkeit aufgrund von Krankheit nicht mehr ausgeübt werden kann)
  • Höhe des Einkommens
  • Details aus dem Privatleben
  • Straftaten
  • Gewerkschaftszugehörigkeit
  • Betriebsratstätigkeiten und Freistellungen (Ausnahme siehe: Urteil des LAG Köln vom 6.12.2012 – 7 Sa 583/12)

Der gesetzliche Anspruch auf ein Arbeitszeugnis verfällt nach ca. 3 Jahren (§ 195 BGB).